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Oft uner­kannt und unbe­han­delt: Depres­sion im Alter

Die Altersdepression, auch als geriatrische Depression bezeichnet, ist ein Thema, das viele Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter betrifft und über das wenig gesprochen wird. “Altersdepression” ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Menschen mit depressiven Symptomen jenseits des 65. Lebensjahres. Doch auch wenn es sich um keine gesonderte, medizinische Diagnose handelt, gilt: Depression ist eine sehr ernstzunehmende Erkrankung, die sich massiv auf die Lebensqualität auswirkt.

Ein Senior sitzt allein in einem Café

Foto: Jeff Sheldon

Tabu-Thema “Depression im Alter”: Wer ist betroffen?

Man kennt das Bild aus der Werbung: Das glückliche Rentnerpaar bei einem Spaziergang im Sonnenschein. So lässt sich der Lebensabend genießen. Die Realität kann allerdings oft anders aussehen. Viele ältere Menschen erleben eine Phase der Niedergeschlagenheit, Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Umso wichtiger ist es, dass dieser Zustand ernst genommen und auch behandelt wird. Altersdepression kann sich gerade auf die Lebensqualität massiv negativ auswirken. Depressionen sind, neben Demenz, die häufigste psychische Erkrankung bei älteren Menschen.

Foto: Skiathos

Warum entsteht Altersdepression?

Die Gründe für die Entstehung einer Altersdepression sind vielfältig. Biologische Faktoren können eine Rolle spielen. Mit zunehmendem Alter verändert sich der Hormonhaushalt, was wiederum Auswirkungen auf die Stimmung und das emotionale Wohlbefinden haben kann.

Darüber hinaus können chronische Erkrankungen ebenso eine psychische Belastung darstellen wie der Verlust von geliebten Menschen. Einsamkeit, soziale Isolation und der Rückgang der sozialen Aktivitäten im Alter können ebenfalls entscheidend zur Entwicklung einer Depression beitragen.

Foto: Skiathos

Schwierige Symptomatik: Altersdepression bleibt oft unerkannt

Die Symptome einer Altersdepression ähneln denen bei jüngeren Menschen, können jedoch von Ärztinnen und Ärzten sowie Angehörigen leicht übersehen werden. Laut Daten des RKI berichten 45- bis 64-Jährige häufiger von Depressionserfahrungen als Menschen in anderen Altersgruppen. Daraus sollte man allerdings nicht schließen, dass einen Depressionen nicht auch in anderen Lebensphasen treffen können. Ältere Menschen zeigen oft nach außen hin weniger typische Anzeichen wie Traurigkeit oder Hoffnungslosigkeit. Sie klagen eher über körperliche Beschwerden wie Schlafstörungen, Gewichtsveränderungen oder unerklärliche Schmerzen. Dies erschwert die Diagnosestellung und kann dazu führen, dass die Depression unbehandelt bleibt.

Gut zu wissen

Demenz

Eine Demenz-Diagnose ist oft nicht nur für die Patientinnen und Patienten ein Schicksalsschlag, sondern auch für ihre Angehörigen. Erfahre, welche Symptome auf Demenz hindeuten und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt.

Foto: John Moeses Bauan

Psychische Erkrankung mit starken Auswirkungen auf die physische Gesundheit

Die Auswirkungen einer Altersdepression sollten nicht unterschätzt werden. Sie kann zu einem erheblichen Verlust an Lebensqualität führen und das Risiko für weitere gesundheitliche Probleme wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Demenz erhöhen. Außerdem kann es – gerade was das Sozialverhalten angeht – zu einem Teufelskreis kommen: Menschen, die ohnehin schon eher einsam sind, ziehen sich dann aufgrund der bestehenden Depression noch weiter zurück, was diese zusätzlich verschlechtert.

Foto: John Moeses Bauan

Foto: Samanta Barba Alcala

Behandlung und Therapie: Was hilft gegen Altersdepression?

Glücklicherweise gibt es wirksame Behandlungsmöglichkeiten für Altersdepressionen. Eine Kombination aus medikamentöser Therapie und psychotherapeutischer Unterstützung kann helfen, die Symptome zu lindern und die Stimmung zu verbessern. Es ist wichtig, dass ältere Menschen Unterstützung durch ihr medizinisches Team, aber auch von Seiten ihrer Familienmitglieder und ihres sozialen Umfelds erhalten. Ziel ist es, ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind und dass es Hilfe gibt.

Neben medizinischen Maßnahmen kann auch der Lebensstil einen positiven Einfluss auf die Stimmung älterer Menschen haben. Regelmäßige körperliche Aktivität, eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Schlaf sind wichtige Faktoren für das allgemeine Wohlbefinden. Es kann auch hilfreich sein, soziale Kontakte zu pflegen, sei es durch Teilnahme an Gruppenaktivitäten, Ehrenamt oder den Besuch von Seniorenzentren. Prinzipiell ist Depression auch im Alter heilbar. Ob das gelingt, hängt aber vom Einzelfall ab.

Foto: Samanta Barba Alcala

Gruppe von Senioren beim Schachspiel im Freien

Foto: Vlad Sargu

Vorbeugend aktiv werden gegen Altersdepression

Die Prävention von Altersdepressionen ist möglich. Das ist eine gute Nachricht für ältere Menschen, aber vor allem auch für ihre Angehörigen. Wichtig ist es deshalb, dass ein gesellschaftliches Bewusstsein für die psychische Gesundheit im Alter entsteht.

Regelmäßige medizinische Untersuchungen sollten neben körperlichen auch die psychische Verfassung älterer Menschen berücksichtigen. Früherkennung und rechtzeitige Intervention können einen entscheidenden Unterschied machen und dazu beitragen, dass ältere Menschen ein erfülltes und glückliches Leben führen können.